„Sugar
Ah, honey, honey
You are my candy girl
And you got me wanting you.“ – The Archies

Ich liebe Schokolade, Obst, Honig und Bonbons. Ich liebe den High, den ich davon bekomme, ich gebe es zu, ich bin ein Schokoladen-Junkie. Aber seit zwei Wochen bin ich auf Entzug. Aus diesem Grund, ist es auf dem Blog auch so ruhig gewesen. Ich musste erstmal von meinem Stoff runter kommen, um wieder zu meine Mitte zu finden.  „They tried to make me go to rehab. I said no, no, no.“ (Amy Winehouse). Auf Entzug habe ich mich tatsächlich nicht auf Grund einer  „No Sugar Challenge“ oder „No-Sugar Diet“ gesetzt, sondern aus rein gesundheitlichen Gesichtspunkten.

Ich habe eine Fructosemalabsorption, also eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gegenüber Fruktose. Jeder, der jetzt überrascht den Kopf zur Seite neigt und sich wundert – ich wusste auch nicht, das es sowas überhaupt gibt. Ich dachte immer, das die böse Laktose oder das noch schlimmere Gluten einem Probleme machen würden, aber doch nicht die liebe Fruktose. Die findet sich doch nur in schönen roten Äpfeln und süßen Erdbeeren, oder etwa nicht?

An einer Fructosemalabsorption leiden ungefähr 30 bis 40 Prozent der europäischen Bevölkerung, wahrscheinlich noch mehr, die aber keine Ahnung haben, was ihnen Probleme im Magen- und Darmbereich machen. Eine Fructosemalabsorption bedeutet, dass der Fruchtzucker nicht mehr im Dünndarm von den Glukosetransporter aufgenommen werden kann und daher unverarbeitet in den Dickdarm weitergeleitet wird. Dort verarbeiten die Darmbakterien die Fruktose zu Wasserstoff, Methan, Kohlendioxid und kurzkettigen Fettsäuren. Das führt zu sehr unangenehmen Nebenerscheinungen. (Für eine wissenschaftlichere und fundierte Erklärung, bitte googlt einfach selber mal.)

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#notpregnant

Ich habe mehr als ein Jahr gebraucht, um festzustellen, was mit meinem Körper los ist. Ich habe schon seit neun Jahren Probleme mit meiner Verdauung, aber im letzten Jahr ist es so richtig schlimm geworden, mit einen dauerend aufgeblähtem Bauch, Verdauungproblemen (wie Durchfälle, häufiger Stuhlgang und Blähungen), aber auch extremer Müdigkeit oder auch depressiver Verstimmung. Bei mir war der Blähbauch an manchen Tagen so schlimm, dass ich sogar angesprochen wurde, ob ich schwanger sei und in welchen Monat (siehe Bild). Das nervte mich so sehr, dass ich anfing, Kleider und Oberteile zu tragen, die meinen Bauch kaschierten. Ich dachte damals noch, dass es bei mir halt so ist. Ich bin schlank und esse gerne und viel, da muss sich der Bauch halt Platz schaffen. Die Müdigkeit erklärte ich mir mit zu viel Stress und zu viel Belastungen. Ich habe im letzten Jahr gemerkt wie gut ich im Verdrängen und Wegschieben bin.

Erst als ich mir das Video von Amelia Liana anschaute, in dem sie über ihre gesundheiltlichen Probleme und ihrem aufgeblähtem Bauch spricht, wurde mir bewusst, was hinter meinen Beschwerden stecken könnte.

Damit begann mein Ärzte Marathon, der mich schlussendlich zu einem H2-Atemtest führte und zur Diagnose der Fructosemalabsorption. Am Anfang war ich erleichtert, endlich wusste ich, was mir diese nervigen Probleme verursachte. Aber dann kam auch der Schock, da ich für zwei bis vier Wochen in eine „Karenzzeit“ musste, dass bedeutet keinerlei Fruchtzucker zu mir zu nehmen. Jetzt sind wir wieder am Anfang, in meinem kalten Entzug. Selbst Gemüse besitzt einen Anteil an Fructose und muss daher am Anfang gemieden werden wie auch fast alle Obst-Sorten, Schokolade, Softgetränke und Fruchtsäfte. Mein geheimer Masterplan, mich immer mehr vegan zu ernähren, musste ich über Bord werfen und bin nun dankbar für jedes Ei und jedes Stück Käse, dass ich essen und vertragen kann. Die ersten zwei Wochen waren verdammt hart, da ich keine Ahnung hatte, was ich als Vegetarier überhaupt noch essen kann und sich die oben beschriebenen Beschwerden sogar erstmal verdoppelten.

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Jetzt habe ich endlich eine kompetente Ernährungsberaterin gefunden, die mich an die Hand genommen hat und mir sagt, was geht und was nicht. In zwei Wochen komme ich in die Testphase und darf immer mehr Obst und Gemüse in meinen Speiseplan integrieren. Ich freue mich schon so sehr drauf.

Für mich ist die Nahrungsmittelunverträglichkeit trotzallem ein Geschenk, da es mich auf einen Bereich in meinem Leben hinweist, den ich sträflich vernachlässigt habe. Dem ich gar keine Aufmerksamkeit geschenkt und gedacht habe, dass passt schon irgendwie. Erst jetzt verstehe ich die ayurvedische Weisheit „Du bist, was du isst“ und lebe immer mehr danach. Mir hat es unheimlich geholfen, den Film „Voll verzuckert – That Sugar Film“ anzuschauen, um zu verstehen wie schlecht Zucker ist und wo überall Zucker drin ist. Außerdem kann ich endlich anfangen ein beschwerdefreies Leben zu leben.

Ich kann jedem nur empfehlen, die Warnsignale seines Körpers ernst zu nehmen und nachzuprüfen, was dahinter steckt und sich bei der Diagnose Fructosemalabsorption auf jeden Fall einen Ernährungsberater zu suchen.

In diesem Sinne, süße Grüße ❤

 

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