„Ich male die Nasen absichtlich schief, damit die Leute gezwungen sind, sie anzusehen.“ – Pablo Picasso

Erst mal eine kleine Information: Ich bin kein Yoga-Lehrer oder Physiotherapeut. Ich bin selbst eine „Betroffene“ und werde anschließend nur meine eigenen Erfahrungen schildern. 

ICH BIN SCHEPP

Ich habe wahrscheinlich seit meiner Geburt eine angeborene Skoliose, also eine Verkrümmung meiner Wirbelsäule. Bei „normalen“ Menschen ist die Wirbelsäule schön gerade und aufgerichtet. Bei mir ist sie eher so schief und links gedreht. Deswegen habe ich einen Beckenschiefstand und einen Schiefstand meiner Schultern. Ich kann also voller stolz sagen: ich bin total schief. So richtig bewusst wurde mir das erst nach einem leichten Autounfall, den ich mit zwölf Jahren hatte und weswegen ich beim Orthopäden war. Obwohl ich anschließend noch viele weitere Personen nach Rat gefragt habe, bin ich immer noch ziemlich ahnungslos, was eigentlich genau mit meiner Wirbelsäule los ist. Meine Drehung war auf jeden Fall nie so schlimm, dass ich operiert werden oder ein Korsett hätte tragen müssen, weswegen ich unheimlich dankbar bin. Ich habe tatsächlich nur eine dauernde  verspannte Nacken- Schulterpartie.

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ABER ICH BIN NICHT ALLEINE 

Laut Wikipedia haben ungefähr 1,1 Prozent der Weltbevölkerung eine Skoliose. Lustigerweise trifft man bei Yoga immer wieder jemanden, der auch davon betroffen ist und sich dadurch Linderung verspricht.

Bei mir hat mich meine Skoliose tatsächlich erstmal vom Sport abgehalten. Ich war eigentlich in allen Sportarten, die ich ausprobiert habe (und das waren sehr viele), richtig schlecht. Ich konnte nicht schnell laufen oder hoch springen, ich verlor beim Tanzen immer die Balance. Beim Klettern wurde mir schwindelig und beim Aikido wollte ich nicht gehauen werden. Nur beim Reiten fühlte ich mich auf dem starken Rücken eines Tieres richtig wohl.

YOGA UND SKOLIOSE?

Als ich dann vor drei Jahren Yoga ausprobierte und tatsächlich mal alles stimmte, war ich so froh, endlich angekommen zu sein. (Mein Artikel dazu findest du hier.) Aber im Laufe der Zeit, fragte ich mich immer häufiger, warum anderen Yogis bestimmte Asanas so leicht fielen. Sie ihre Balance auch in schwierigen Haltungen so gut halten und dabei auch noch elegant aussehen konnten? Warum ich von einer intensiven Yoga Praxis Rückenschmerzen bekomme? Erst dann fiel der Groschen und ich verstand meine Fehlhaltung.

Seitdem habe ich viele Artikel gelesen und mit Yoga-Lehrern über meine Skoliose gesprochen. So richtig helfen konnte mir aber bisher kaum jemand. Ich habe für mich festgestellt, dass mir viele Übungen einfach sehr gut tun, andere wiederum sind pures Gift für meine Wirbelsäule.

So liebe ich die Asana Katze – Kuh, um meine Wirbelsäule zu mobilisieren. Die Asana mache ich jeden Morgen. Genauso wie die Krokodils-Drehung am Boden. Eine weitere tolle Übung ist die Brücke, um den unteren Rücken zu stärken. Diese drei Übungen mit dem typischen Sonnengruß ist meine täglicher Morgensport, um fit und mobilisiert in den Tag zu starten.

Aber auch die Vorbeuge ist nicht nur für das Immunsystem gut, sondern auch für eine schöne Dehnung der Wirbelsäule.

Schwieriger ist für mich und meinen Körper der Schulterstand, wenn ich ihn lange halten muss. Genauso wie der Drehsitz oder jegliche Twists, wenn ich länger in den Asanas verweile. Das ist einfach nichts für mich. Beim Rad bin ich mir noch unsicher, weil ich es tatsächlich nicht ohne Hilfestellung schaffe, hineinzukommen.

EXPERTENMEINUNG?

Im Internet finden sich viele Informationen und Hinweise zu dem Thema. So richtig trauen kann und will ich aber keinem, denn wenn ich auf sie hören würde, müsste ich angeblich sofort mit Yoga aufhören. Aber genau das wäre für mich der falsche Schritt. Das weiß ich, denn mein Körper sehnt sich jeden Tag danach, gedehnt und gestreckt zu werden. Ich stärke meinen Rücken, meinen Bauch und meine Beine und merke, dass es mir gut tut.

Deswegen kann ich jedem, der wie ich eine Skoliose hat, nur raten, geht zum Yoga oder zu Pilates, probiert es aus. Aber bitte hört auf euren Körper und nicht auf die Lehrer. Denn die kennen deinen Körper nicht. Die wollen ihr Programm durchziehen und das harmonische Zusammenspiel aller haben. Tut euch selbst den Gefallen und tanzt aus der Reihe: dein Körper ist einzigartig, deswegen muss es deine Praxis auch sein.

Namasté ❤

 

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