“You are beautiful because you let yourself feel, and that is a brave thing indeed.” –  Shinji Moon

Yoga als Lautsprecher? Yoga als Verstärker?

Erst vor einigen Wochen beantwortete eine meiner Yoga-Lehrer mir eine Frage, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie mir überhaupt stelle: Warum ich mich während und nach Yoga manchmal traurig und erschöpft fühle? Normalerweise wird Yoga immer als „Wunderpille“ proklamiert, mit der du dich anschließend super fühlst. Vollkommen in deinem Gleichgewicht, mit dir selbst im Reinen – happy und entspannt.

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Das es mir aber anschließend gar nicht so gut ging, dass es vorkam, dass ich währenddessen meine Yoga-Matte in ein kleines Schwimmbecken verwandelte, habe ich mir selbst immer vorgeworfen. Warum geht es mir schlechter nach Yoga? Warum bin ich nicht glücklich, nachdem ich mich auf der Matte „abgezappelt“ habe? Warum fällt es mir an manchen Tagen so schwer, mein verrücktes „Monkey-Mindset“ abzuschalten und mich einfach mit dem Yoga-Fluss treiben zu lassen?

Yoga als Verstärker der eigenen Gefühle

Erst dank meiner Lehrerin begriff ich, dass Yoga einfach meine Gefühle, mit denen ich auf die Matte gekommen bin, verstärkt. Also an Tagen, an denen ich mich schon wohl und gut in Balance fühlte, von der Matte mit einem dicken Lächeln weggehen konnte. Aber an Tagen, an denen ich mich traurig und verloren fühlte (was ich mir aber selbst nicht eingestehen wollte) meine Gefühle mit der Yoga Praxis so sehr verstärkt wurden, sodass ich sie nicht mehr ignorieren konnte. Endlich begriff ich, dass Yoga uns nur das zeigt, was schon da ist und dem wir Aufmerksamkeit schenken müssen. Das was wir bearbeiten müssen.

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So richtig bewusst wurde mir das an diesem Sonntag. Nachdem ich erst in meinem Lieblings-Vinyasa Kurs war – Yeah auf meinen ersten Kopfstand! War ich dann noch zwei Stunden im Yin Yoga. Meine erste Yin Yoga Stunde seit November letzten Jahres. Damals hatte ich mit Sky die beste Yin Yoga Lehrerin und wollte nur sehr ungern jemanden neuen ausprobieren. Nach dieser sehr angenehmen und spannenden Yoga Praxis zum Thema Feuer mit dem Herz Meridian, war ich völlig fertig, verwirrt und traurig. All die Gefühle, die ich in den letzten Wochen so erfolgreich habe unterdrücken wollen. Alles kam endlich heraus und wollte verarbeitet werden. Also verarbeitete ich: ich schrieb und atmete und war wieder sehr dankbar für die ganzen Techniken, die ich auf meinem bisherigen (Yoga-) Weg gelernt habe.

Yoga hat also tatsächlich die gleiche Eigenschaft wie ein Lautsprecher: Du stöpselst in deiner Praxis dein Herz an Yoga und darfst dann der Stimme deines Herzens zu hören. Du wirst plötzlich mit all deinen Emotionen konfrontiert und kannst sie nicht mehr wegschieben, wenn sie dir ins Gesicht singen, dass du grade glücklich, müde, motiviert, traurig, dankbar oder wütend bist. Natürlich kann es auch passieren, dass du gar nichts spürst und das ist genauso okay. Das Schöne an Yoga ist ja, dass alles sein darf und wir wissen, dass alles vorbeigehen wird.

„Everything will be okay in the end. If it’s not okay, it’s not the end.”

In diesem Sinne Namasté und shanti ❤

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